Als ich 14 Jahre alt war, begann der kalte Krieg. Es war eine schlimme Zeit. Die Zeit, in der die Unsicherheit meinen Tag erfüllte. „Angst haben“ gehörte zum meinem Alltag. Jeden Tag, jede Sekunde, jede Minute könnte eine Atombombe den dritten Weltkrieg auslösen, könnte damit 1000 Familien das Zuhause zerstören. Meine Mutter erzählt mir von Atombomben, was sie auslösen könnten, doch ich glaubte nicht, dass es dazu kommen sollte. Bis die Nachrichten von unzähligen U-Boot Unglücken berichteten, konnte man mich nicht von meiner Sicherheit abbringen. Was ist, wenn doch etwas an den Gerüchten dran ist?
Selber redete ich mir ein, dass nichts passieren würde, trotzdem wusste ich nie, ob ich mir da sicher sein konnte. Jedes Mal, wenn eine neue Durchsage im Radio ertönte, wurde der Raum schlagartig leise, gespannt auf Informationen, und wenn es hieß, es sei mal wieder kurz davor, musste ich schlucken. In der nächsten Sekunde wurde aber schon wieder entwarnt. Ein ständiges hin und her, kaum konnte man sich konzentrieren, nur eine Frage, die uns alle beschäftigt. Atombomben zerstören alles und wie es gerade aussieht, wird die Welt zerstört. Ich wohnte mit meiner Familie in Berlin. Von meinem Kinderzimmer aus, konnte ich genau auf die Mauer schauen. Eigentlich schaute ich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde aus dem Fenster, von dort aus konnte ich alles besonders gut beobachten. Meine Mutter jedoch wollte nicht, dass ich aus dem Fenster starrte. Sie hatte viel zu viel Angst um mich. Unsere Wohnung war zwar sehr heruntergekommen und dunkel, dennoch liebte ich es, mich in meinem Zimmer zu verkriechen und den Geräuschen zu zuhören. Tage vergingen und ich wurde älter. Es war ein schöner Herbsttag in Berlin, als ich die Panzermotoren hörte. In derselben Sekunde kam meine Mutter hektisch in mein Zimmer: „ bloß weg vom Fenster, bloß weg vom Fenster,“ schrie sie in den offenen Raum. Ich kann mich so gut dran erinnern, als wäre es gestern gewesen, dass die Panzer sich gegenüber standen „ wer als erstes Schoss, stirbt als zweites“. Jeden Tag war meine Familie der Angst ausgeliefert, doch am aller schlimmsten traf es meine Mutter. Ich weiß noch, als sie in unserem Esszimmer an dem kleinen Holztisch saß und immer wieder aufsprang. Kaum einer konnte sie beruhigen, nur unser Nachtbar, Herr Braun. Ständig war Mutter drüben, um sich ins Gewissen reden zu lassen. Ich selbst verstand das nie.
Nun bin ich ein alter Mann, viel Leid und Kummer bekam ich noch vom zweiten Weltkrieg mit. Mein Vater erzählte mir abends immer schaurige Geschichten. Doch an die kann ich mich kaum erinnern. Aber ob ich das überhaupt will? Atomwaffen sind viel zu gefährlich für die Menschheit, es wird immer Jemanden geben, der für diese Waffen ist. Aber diese Menschen denken nicht darüber nach. Wie ein Kreislauf oder ein Dominospiel. Wird eine Atombombe fallen, wird dies kein Land auf sich sitzen lassen und ebenfalls eine Atombombe abwerfen. Atombomben können alles zerstören. Sie sind ein Feind des Menschen und kein Freund. Sie machen alles kaputt, alles was ihnen unter ihre Rauchwolke kommt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Menschen noch einmal mit Atomwaffen drohen. Die Atomwaffe ist kein Schutzschild.
Mäggy W.
Quelle: Das hier ist eine fiktive Geschichte
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